Grüne Zuchtmeister

Ein Leser schreibt:

Für den Industriestandort Baden-Württemberg kündigt Kretschmann eine “stille Revolution” an: “Wir machen es Schritt für Schritt. Wir werden auch die Reformen im Bildungswesen behutsam angehen. Niemand muss jetzt Angst haben, dass wir das Unterste nach oben kehren.” Der Grünen-Politiker beabsichtigt mit klaren ordnungspolitischen Vorgaben klassische Industriebereiche ökologisch umzuwandeln: Sie müssen so scharf sein, dass sie als Investitionspeitsche wirken, aber nicht so scharf, dass die Unternehmen aus dem Markt fallen.

Solche Aussagen sagen mir, dass Kretschmann wenig Ahnung von der Wirtschaft und noch weniger von Wirtschaftspsychologie hat.

Unternehmer wird man, weil man selbst gestalten und frei sein will, weil man sich nicht mehr von jemand anderem dreinreden lassen will, weil man sich zutraut, mehr zu können und stärker zu sein als andere. Diesen Antrieb unterschätzen viele, die nie im Leben selbstständig waren. Sie meinen, es geschehe nur, um mehr zu verdienen. Dabei gibt es viele Unternehmer, die am Monatsende mehr in der Tasche hätten, wenn sie als Angestellte arbeiten würden.

Wenn ich das Wort „Peitsche“ höre, das Kretschmann nun schon mehrfach verwendet hat, denke ich an dreierlei: Kennt Kretschmann eigentlich unser Grundgesetz? Was läuft falsch mit seiner Psyche, dass er der Wirtschaft mit SM-Praktiken kommen will? Und schließlich: Nichts wie weg aus diesem Land. Ich bin nicht Unternehmer geworden und habe mich ohne jede Staatshilfe durch viele Krisen geschlagen, um mir von einem grünen Hansel in meine ohnehin naturgemäß fragile Existenz hineinreden zu lassen. Von einem, der offenbar Gelüste verspürt, auch einmal das unternehmerische Sagen zu haben, aber zu feige oder unfähig war, selbst Unternehmer zu werden.

Unternehmer zu sein heißt, jeden Tag mit der Sorge zu leben, ob man morgen noch den Umsatz macht, den man braucht. Es bedeutet permanente Existenzangst und ungeheuren Druck. Kaum ein Unternehmerleben verläuft ohne eine oder mehrere große Krisen, bei denen es um Sein oder Nichtsein geht. Und wenn es schief geht, hilft einem niemand, man ist für das ganze restliche Leben erledigt. Wenn dann noch Ängste von der Politik geschürt werden, von der man ohnehin keine Ermutigung mehr erwartet oder gar Dank, aber wenigstens in Ruhe gelassen werden will, dann fallen viele kleine Entscheidungen gegen den Standort Baden-Württemberg, die in der Summe große Auswirkungen haben.

Der Erosionsvorgang wird schleichend sein und lange unbemerkt bleiben. Paukenschläge wie eine Verlagerung der Porsche-Produktion ins Ausland bleiben eher die Ausnahme. Es beginnt vielmehr im Kleinen. Der eine könnte noch einen Mitarbeiter mehr brauchen, stellt die Entscheidung nun aber zurück. Der andere lässt die Pläne für einen kleinen Erweiterungsbau zunächst ruhen. Der dritte bestellt die neue NC-Drehmaschine doch noch nicht, sondern wartet lieber ab. Der nächste zögert mit der Erneuerung der Heizungsanlage, weil er nicht weiß, welche Auflagen später noch kommen werden. Der etwas größere Mittelständler baut seinen Zweigbetrieb im benachbarten Ausland oder geht eine Kooperation mit einem ausländischen Partner ein. Das alles wirkt sich auch auf andere Unternehmen aus. Und wenn die ganz Großen wie Porsche gehen, trifft das unzählige Zulieferer und Dienstleister, angefangen vom Erodierbetrieb über den externen Betriebselektriker bis hin zur Reinigungsfirma und zum örtlichen Bäcker.

Die Grünen begreifen nichts und sie lernen nichts dazu.

Die Schwerindustrie ist bereits abgewandert, die Automobilindustrie und andere Konzerne verkaufen mehr ins Ausland als ins Inland und verlagern eine Betriebsstätte nach der anderen ins Ausland, wo sie hochwillkommen sind und Zölle sparen. Die Firma Würth zum Beispiel baut ihren Konzernsitz in der Schweiz immer weiter aus. In der Schweiz erwarte man vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, so das Unternehmen. Die Bürger der Stadt Rorschach/Schweiz haben dem Verkauf eines Grundstücks in einem alten Industrieareal direkt am Bodensee in einer Volksabstimmung zugestimmt. Dort soll ein Verwaltungsgebäude mit Ausbildungs- und Trainings- zentrum entstehen. „Würth ist uns sehr willkommen“, sagte der Stadtpräsident Thomas Müller. Das klingt besser als die zuchtmeisterliche Drohung mit einer Investitionspeitsche.

Quelle : Dr. Benny Peiser 15.05.2011   18:51 auf der Achse der Guten.

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